Thursday, August 6, 2009

Stuttgart Blog Coverage

Nachdem Frau Wasserbäch ja in ihrer letzten Konzertkritik den mangelnden Exotikgrad ihres Bekanntenkreises beklagt hatte, wollte ich an dieser Stelle eine überbrillante Retourkutsche zum Besten geben, in welcher das Satzfragment “nur schwäbische Pleidelsheimerin” verbraten wird. Aber da wird nix draus. Erstens wäre das unsouverän und uncharmant (ehrlich gesagt wäre das aber kein Problem bei meinem miesen Charakter), und zweitens (der wahre Grund): mir fällt nix ein. Unexotisch und unkreativ, die Natur kann einen manchmal wirklich hart bestrafen (für was eigentlich??).

Mittwoch abends um 23 Uhr in den Waggons des FFUS. Damit schrauben wir die Indie-Cred nach all den 100 Euro-Konzerten und GNTM-Soundtrackern der letzten Zeit wieder gehörig nach oben (im Gegenzug die Zugriffszahlen logischerweise nach unten). Den LIDL und ALDI Menschen sei gesagt: 4 Euro Eintritt. Aber wir sind hier nicht bei der Stiftung Warentest und führen öde Preis-Leistungsdiskussionen, hier geht’s natürlich um Kunst. Wer Musikerlebnisse ökonomisch betrachten will, darf das gerne tun und mich damit bitte verschonen.

Nach Ewigkeiten verschlägt es mich mal wieder hier her. Warum ist mir nicht ganz klar, denn eigentlich ist es hier super. Mitten in der Stadt, aber total woanders, und an einem so lauen Sommerabend wirklich extrem angenehm. Wo sonst wird man außerdem am Tresen von Mister Sunshinepop himself Monsieur Mo Rio bedient (der, um mein Wohlbefinden noch weiter zu steigern, sich sogar an unsere gemeinsamen Besigheimer Wurzeln erinnert)?
Eine handvoll Leute sind da, aber wie sagt das italienische Sprichwort so schön: “pochi, ma buoni” (selber nachschlagen!). Von Anfang herrscht eine sehr angenehme Wohnzimmeratmosphäre. Die zwei Mädels von Christy & Emily stehen ca. einen Meter von mir weg auf einer halbkreisförmigen Bühne, die mit einem satt gefüllten Pedal & Effekten-Board (heißt bestimmt korrekt ganz anders) und einem Wurlitzer bestens gefüllt ist. Der erste Song erinnert mich in seiner Art her ein wenig an Spacemen 3. Ein monotones Grundthema wird mit allerlei Soundeffekten psychedelisch immer weiter gesteigert, während die Hauptsängerin (die Keyboarderin) ab und an ein schönes “Sunshine girl, it’s a rainy day” von sich singt. Die andere Dame bedient hauptsächlich die Gitarre und singt die zweite Stimme. Überhaupt ist der sehr schöne zweistimmige Gesang ein Hauptmerkmal des Sounds. Ein paar Songs kommen mit ein wenig Beat daher, die meisten aber kommen ohne aus. Trotzdem wird es nicht die Spur langweilig, dazu ist die Musik einfach zu schön, die Beiden zu sehr in ihrer Musik versunken und auch die Dynamik stimmt. Auf und Abs, psychedelische Soundgewabbere durchbrochen von wunderschönen Gesangsbögen. Psychedelic-Folk oder sowas. “Tidal Wave” von den Electric Eels wird gecovert ebenso wie ein Stück von den Misfits. Sehr toll das alles. Intimer, schöner und besser kann man seinen Mittwochabend nicht verbringen als hier. Und unbezahlbar ist am Ende der Moment, als Schmoudi und ich uns bei der Sängerin CDs kaufen. Meine Güte was für eine rührende, ehrliche Freude uns da entgegenschlägt. Da könnte man glatt vergessen auf was für einem Planeten man eigentlich rumtappst. Charme 1000 (eher mehr). Bin jetzt Fan von denen.
Freu mich schon auf das nächste Konzert hier, und bis dahin frag ich mich, warum ich alter life-waster die ganzen letzten Jahre nicht öfters hier war. Wahrscheinlich musste ich Fernsehen schauen…

Mehr Fotos von den beiden Damen gibt’s hier.

Vienne Press

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KONZERT IM WIENER RHIZ

Brutzel-Folk aus Brooklyn

28. Juli 2009, 16:51
Aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn kommt ja zurzeit jeder. Zumindest im Pop wirkt es so als wirke dort seit einigen Jahren eine besonders günstige kosmische Kraft. Diese ereilt - wie in der Popkultur so oft - hauptsächlich Buben mit Gitarren. Eine Ausnahme aus all dem MGMTs, Vampire Weekends oder TV On The Radios sind da Christy & Emily. Zwei Frauen, die sich auch nicht auf den üblichen Trampelpfaden des avancierteren Lärms mit Pop-Breitseite bewegen, sondern fragile und dennoch nicht zerbrechlich wirkende Folk-Musik spielen.
Avant-Folk, wie der Connaisseur sofort einfordern würde. Denn die beiden unterlegen ihre von Piano und Gitarre getragene Musik nicht nur mit knuspernden Elektronik-Bruzeln, die beiden haben sich in der Vergangenheit auch schon an John Cage zu schaffen gemacht - ohne deshalb vor lauter Denkerstirnrunzeln auf den Schönklang zu vergessen. Schließlich war man auch einmal Punk. Logo. Aktuell sind Emily Manzo und Christy Edwards auf Europatournee und gastieren kommenden Samstag mit ihrem wunderbaren Album Gueen's Head im Wiener Rhiz. (flu, DER STANDARD/Printausgabe, 29.07.2009)
>> 1. 8., Rhiz, 8., Hernalsergürtel 37/38. 21.00

KLANGBAD FESTIVAL 2009

We are here in Scheer!
Thanks to all the people who have come to the shows in Vienne, and the Czech Republic.